Onkyo TX-8500

Dieses Gerät stand unter keinem guten Stern. Es war mit einem schlechten Foto bei Ebay-Kleinanzeigen eingestellt, und als Kommentar stand nur ein Wort dabei: Kaputt. Super, war mein erster Gedanke. Ich musste lachen. Oh, ein Schnäppchen war mein zweiter Gedanke, als ich den Preis sah. Und der dritter Gedanke war: Wenn’s nicht geht, ist es auch egal, diese Dinger sind so robust gebaut, das eigentlich nichts groß kaputt gehen kann.

Dann telefonierte ich mit dem Verkäufer, einem jungen Mann aus dem Ruhrgebiet, dem Namen nach deutsch-türkisch, der sagte, das Gerät habe lange auf dem Dachboden gestanden, und seinem Vater gehört. Wir wurden uns handelseinig und ich bat ihn, das Gerät gut zu verpacken. Ein paar Tage später war das Paket da: Er hatte es einfach in Plastikfolie eingewickelt und lose in einen Karton gestellt. Verwunderlich, dass nur die Frontscheibe zerbrochen war, wahrscheinlich war das Ding den Postangestellten einfach zu schwer zum Herumwuchten gewesen. Mist.

Bei einem Glaser ließ ich die Scheibe neu machen – und nun, ein paar Monate später, war es bei Good Old Hifi, die es repariert haben. Stellt sich heraus, dass mir der Verkäufer offensichtlich ziemlichen Quatsch erzählt hat: Am Gerät war schon herumgebastelt worden, ziemlich amateurhaft, die ganze Reparatur war dementsprechen aufwändig. Aber es geht wieder!

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Es ist ja eine interessante Geschichte, die die Onkyo-Receiver haben. Armin Kahn deutet sie in seinem Post an, als ich den Receiver abholte, hat er sie mir noch ausführlicher erzählt. Man kann sich die Hifi-Welt der Siebziger als komplexes Spiel vorstellen. Da gab es Marantz, die mit ihrem Design Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger den Markt übernahmen. Bulliges Aussehen, das durch das blaue Display versachlicht wurde. Ich mag es nicht, aber bis heute hat es auf viele Menschen eine große Anziehungskraft. Darauf antwortete Sony mit seinen Geräten: Klare Gestaltung, einfache Front, grünes Licht. Dann kamen Pioneer mit ihren Geräten, wieder eine andere Idee und Kenwood. Beide sehr erfolgreich. Sansui, wieder mit einer ganz eigenen Idee wie Hifi auszusehen hat. Die Denon GR-Receiver (von heute aus super wegweisend in ihrer Simplizität) waren ein eigener Entwurf, waren aber nicht so erfolgreich. Bei Onkyo lief es aber nicht.

Und da kommt dann der deutsche Vertriebschef ins Spiel, Alexander Kiesbauer, der ein gutes Verkaufsnetz aufgebaut hatte und den Japanern vorschlug, eine neue Receiverreihe zu bauen. Äußerlich elegant und sofort erkennbar durch eine Rauchglasscheibe, die nicht innen angebracht, sondern von Außen mit Zierschrauben festgemacht werden sollte. Ferner sollte irgendeine technische Innovation ausgestellt werden, das ist der Lock-Mechanismus des Radios. Und: ein guter Phonoteil sollte dazu kommen.

Das ist der Onkyo TX-8500. Mein größter Receiver (und schwerster, das Ding wiegt über 25 Kilo!).

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Ein schönes Gerät.

Besonders die Glasscheibe ist wirklich hübsch, simpler Trick, aber er funktioniert. „Wertig“ ist glaube ich das neudeutsche Wort dafür. Interessant diese Lock-Funktion. Der Drehknopf, mit dem man den Sender einstellt, ist mit einem Sensor ausgestattet. So lange man dreht, merkt man nichts, hat man seinen Sender gefunden und lässt den Knopf los, geht die Lock-Automatik an und stellt den Sender selbsttätig scharf.

Da ist der Knopf:

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Und so sieht es aus, wenn der Sender eingestellt ist, es ruckelt tatsächlich ein kleines bisschen nach:

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Ich muss aber gestehen, dass das, was mir am meisten auffiel, der Phonoteil war. Ich misstraue meinen Ohren, ich schreibe deshalb auch nie, dass irgendein Gerät wahnsinnig gut klingt, vielleicht ist es so, vielleicht nicht, hängt doch immer vom Raum, der Musik, den Quellen und tausend anderen Dingen ab. Der Phonoteil des Onkyo fiel mir jedoch auf. Was nicht häufig vorkam. Die Platten, die ich abgespielt habe, klangen kraftvoll und klar – wobei der Onkyo allerdings auch ziemliche Kraft hat. Man sieht, wie leise er gestellt ist. Das ist Zimmerlautstärke!

Auch toll: das Gehäuse ist mit Kunstleder überzogen. Sieht super aus, fühlt sich super an.

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Noch etwas, was mir gefallen hat. Das Gerät ist ja riesig groß. 57 Zentimeter breit, 16 Zentimeter hoch und vor allem 46 Zentimeter tief, wenn man die Knöpfe mit misst. Das ist für die allermeisten Regale zu tief. Was tun? Die Verantwortlichen bei Onkyo packten ein drittes Paar Füße unter das Gerät. Damit es sicher steht, auch wenn jemand das Regal ein Stück  nach vorne rücken muss. Mitgedacht! Vorne überstehen, das sieht nicht gut aus.

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Das einzige, woran nicht gedacht wurde: die Farbe der Front ist sehr empfindlich. Bei meinem Gerät sind die Zahlen am Volume-Regler schon verschwunden und ein paar Buchstaben anderswo sind auch weg.

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Immerhin hat es mich nicht so schlimm getroffen, wie diesen Mann.

Diese zwei schwarzen Tuning-Anzeigen sind der Knaller, so schön.

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Hier sind die technischen Daten.

 

 

 

7 Gedanken zu “Onkyo TX-8500

  1. Schönes Gerät, Glückwunsch. Besitze selber einen (und weitere 4500er, und, und,….) aber leider ebenfalls mit defektem Frontglass. Gibt es noch den Glaser beim dem hier das Glas ersetzt wurde ? Besteht die Möglichkeit ein weiteres Frontglas zu ordern ? Schöne Grüße, Tom

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      1. Die Grundidee hatte ich eigentlich auch, wurde dann aber bei 4 Versuchen hier in Berlin enttäuscht. Zu klein, zu kompliziert, Einzelteile mach ich nicht,…. ich hatte das Gefühl, ich krieg das Frontglas eher beim Bäcker meines Vertrauens. Dass das glas nicht für 3,50€ zu haben ist war mir klar und habe es auch zu verstehen gegeben. Für seine Lieblinge tut man ja viel… Aber hier wollte man einfach nicht. Hab schon überlegt mir aus getöntem Acrylglas eins zu „basteln“. Befürchte aber, dass dies dem 8500er nicht gerecht wird. Und ohne Frontglass stelle ich das Gerät nicht auf, da blutet mir beim anblick das Herz. Daher die Frage, ob der glaser deines Vertrauens noch existiert und hier evtl. eine Kopie schneidern kann. Ich will das Gerät ja später mal als vorzeigbare Erbmasse (in wahrsten Sinne des Worte) an meinen Sohn weitergeben. … in ein paar Jahrzenten 🙂
        Grüße, Tom

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      2. Lieber Thomas, ah, Du bist in Berlin! Das vereinfacht die Dinge natürlich. Ich bin zur Glaserei Wellnitz gegangen, in der Martin-Luther-Str. 121 in Schöneberg. Die waren sehr nett. Und hatten exakt das richtige Glas.

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  2. Ein interessanter Bericht zu einer siebziger Jahre Onkyo Receiver Legende. Ich hatte etwas mehr Glück mit dem Frontglas meines TX-8500 anlässlich des Versandes, so als Tipp auch für Interessierte Onkyo-Vintage Freunde: Lasst die vier Schrauben um das wertvolle Frontglas reichlich zuvor vom Versender lockern.

    Wenn der Verkäufer es dann auch macht, steht das Glas nicht mehr so unter Spannung und bricht eher weniger.

    Schöne Bilder wie immer hier. Ich muss wieder häufiger bei Geraffelhausen reinschauen, es lohnt sich.

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  3. Diese Info stimmt mich hoffnungsfroh. Vielen Dank dafür. Da werde ich wohl heute noch gleich vorbeifahren. Wenn das klappt, habe ich noch ein bischen was zu reinigen und dann…. hör ich meine Frau schon jammern 🙂 Aber so ein Gerät gehört einfach aufgestellt und genutzt. Wie all die anderen schönen alten Analog-Teile…

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  4. Lieber Tobias, nochmals vielen Dank für diesen Tip. Nachdem ich Freitag noch vor verschlossener Tür stand, konnte ich gestern mein Anliegen in der Glaserei Wellnitz vortragen. Und nach Anfertigen einer Schablone (’ne alte zerbrochenen Scheibe habe ich leider nicht und eine Vorlage fand sich in der Glaserei nicht) sollte ein neues Frontglas auch kein Problem sein wurde mir bestätigt. Mein Grinsen hörte erst an beiden Ohren auf. Da habe ich nun ewig nach so einer Möglichkeit gesucht :-)) Und im Gegensatz zum 4500er, von denen auch mehrere meinen Alltag verschönen, findet man den Großen ja nur seltenst im Angebot auf verschiedenen Plattformen.
    Grüße, Tom

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