Kücke Linea B 50

Ich bin handwerklich wahnsinnig unbegabt. Immer schon gewesen. Als ich jünger war, habe ich damit kokettiert, heute ist es mir eher unangenehm. Aber es ist so. Mit Bewunderung blicke ich auf Leute, die Dinge reparieren können. Nun habe ich es auch einmal probiert. Und zwar, einfache Aufgabe: an zwei Lautsprechern.

Die Firma Kücke aus Wuppertal hat einen guten Ruf in den Vintage-Hifi-Kreisen, in denen ich so zuhöre. Besonders der große Lautsprecher Kücke Mega E 80 ist ziemlich gesucht. Ich brauchte zwei kleine Lautsprecher fürs Regal und fing an nach dem Linea B 50 zu suchen. Nach einer Weile wurde ich fündig, jemand verkaufte ein Paar: sogar sehr billig, für 25 Euro. Der Grund: Er hatte sie von seiner Oma bekommen und in weiße Folie eingepackt, damit sie zu seiner Wohnung passten.

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Ich dachte erst: egal, die kommen ja eh ins Regal. Aber dann rupfte eines der Kinder einen Teil der Folie ab und ich beschloss, den Versuch zu wagen und das Original-Holzfurnier freizulegen. Für Leute, die so etwas könne, mag das banal sein, für mich nicht. In der Schule habe ich im Werkunterricht tatsächlich mal ein halbes Jahr gebraucht, um eine Schale zu schnitzen, die andere Kinder in zwei Doppelstunden fertig hatten.

Ich zog die Folie ab. Anwärmen kann nicht schaden, dachte ich mir, um den Kleber zu erwärmen.

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Es klappte!

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Weg mit dem Zeug.

Allerdings blieb Kleber zurück. Ziemlich eklig.

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Aber wofür gibt es das Internet? Ich fing an ein bisschen herumzuschauen. Wie bekommt man den Kleber ab? So richtig gute Lösungen gab es nicht. Also dachte ich mir: Abschmirgeln. Dann verbindet sich der Holzstaub mit dem Kleber und ich bekomme ihn herunter. Dafür nahm ich recht grobes Sandpapier, 80er.

Es ging ganz gut. Allerdings blieben so kleine Kleber-Holzstaub-Gummi-Inseln übrig.

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Am besten funktionierte es, sie mit dem Finger abzuknibbeln. Und dann mit dem Schmirgelpapier nachzuschmirgeln, und zwar direkt auf der Stelle. Mit dem Finger. So sah das Papier dann aus.

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Aber es ging alles runter.

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Jetzt mit einem feuchten Tuch abwischen.

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Und mit der Schleifmaschine abschleifen. Ich habe ein sehr feines Schleifpapier genommen, 240er Körnung.

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Ging super. Fühlte sich auch super an. Holz ist wirklich ein irre sinnliches Material. So eine frisch geschliffene Fläche: riecht gut, und man kann nicht aufhören, drüber zu streicheln.

Dann waren alle vier Seiten fertig.

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Jetzt ölen. Jeder scheint da seine Marke zu haben. Mir wurde im Baumarkt Clou Holzöl gegeben. Das habe ich aufgetragen.

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Es zog restlos ein. Ich ließ es einen Tag trocknen, schliff noch einmal vorsichtig ab, und ölte noch mal ein. Die Kratzer sind glücklicherweise unten.

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Das gleiche noch mal. Beim zweiten Mal saugte sich das Holz schon nicht mehr so voll.

Und da ist er nun: mein Kücke Linea B 50.

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Es sind natürlich zwei. Beim ersten habe ich vergessen zu fotografieren.

Ein Fehler, den ich gemacht habe und vor dem ich gleich warnen kann: Aus Gründen, die ich nicht mehr nachvollziehen kann, dachte ich bei der ersten Box, ich brauche kein Öl sondern nehme Renuvell. Das war blöd. Das Holz fing an zu glänzen und fühlte sich nicht gut an. Leider war es aber auch schon vollgesaugt, weshalb es dann das Öl nicht mehr so gut annahm. Da musste viel geschliffen werden, um es einigermaßen auszugleichen.

Fertig!

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Nicht ganz perfekt, aber trotzdem gut. Auf den Fotos sehen die Unregelmäßigkeiten größer aus, als sie in Wirklichkeit sind.

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Ein bisschen sieht man bei der rechten Box noch das Schimmern, das von dem vermaledeiten Renuvell kommt.

Trotzdem: ich bin zufrieden.

Auf eins muss man achten: Den Stoff, mit dem man das Öl aufgetragen hat, auf gar keinen Fall irgendwo verknuckelt in die Ecke legen. Es entstehen Gase, die sich selbst entzünden können. Einem Freund ist das passiert, ein Schwelbrand hat seine ganze Wohnung verrußt.

Jetzt stehen die Lautsprecher in meinem Büro. Sie klingen tatsächlich sehr gut (auf jeden Fall im Vergleich zu den Neunziger-Jahre-Pappkarton-Sansuis, die ich dort bislang hatte, ein Beifang, der einfach stehen geblieben war). Guter Bass, eher nicht so sehr betonte Höhen, ausdifferenzierte Mitten. Prima. Genau richtig für House und Jazz, die Musik, die ich dort vor allem höre. Und sie sehen gut aus.

Technische Daten konnte ich keine finden.

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