Revox B780

Mit diesem Receiver ging meine Hifi-Obsession vor anderthalb Jahren los. Als er kaputt ging. Es ist ein Revox B780, den ich nach dem Tod meines Großvaters geerbt hatte, der ein paar Jahre lang völlig problemlos lief, und dann auf einmal ausfiel. Als ich mich auf die Suche nach einer Werkstatt machte, blieb ich im Internet hängen – im weitesten Sinne ist dieser Blog eine Spätfolge.

Ich brachte ihn schließlich zu Wilfert in Berlin-Pankow, eine kleine Revox-Vertragswerkstatt, die den Receiver rasch wieder herstellte, es waren nur ein paar Elkes eingetrocknet. Es sei selten, dass die alten Geräte innen noch so gut aussehen wie meins, sagte mir Herr Wilfert. Kein Wunder: mein Großvater hat nicht viel Musik gehört, die meiste Zeit stand das Ding einfach nur herum. Die Forum-B-Lautsprecher, die er dazu gekauft hatte, habe ich auch bekommen, sie sind super, ich benutze sie mit allen Geräten, die ich habe.

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Die meisten Geräte, die ich habe sind ja eher zwischen den späten Sechzigern und den mittleren Siebzigern gebaut worden. Dies ist die Ausnahme, er wurde von 1980 bis 1984 gebaut. Ist ja auch ein Erbstück. Keine Ahnung, wann mein Großvater ihn gekauft hat.

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Das Neue und Besondere am B780 war der Mikroprozessor. Neueste Technologie, war man damals bestimmt mächtig stolz drauf. Hier steht, dass viele der Bauteile im Inneren mit dem Mikroprozessor kommunizieren, er „ermöglichte die reine Drucktastenbedienung und eine Reihe neuer Vorgänge wie Frequenzsuchlauf (Scanning) in beiden Richtungen, numerische Frequenzeingabe, Speicherung von 18 Stationsfrequenzen und 7 Antennenrotorpositionen, elektronische Ein- und Ausgangsumschaltung des Vorverstärkers, Umschaltung der Lautsprecherausgänge, Ansteuerung der Digitalanzeigen, Überwachung der Endstufen und eine Reihe von Zusatzfunktionen wie Umschaltung der Deemphasis, Stereofilter, Stummschaltung“. Top modern – und auch heute noch toll, wo man sich gar nicht mehr vorstellen kann, dass es mal Chips mit „4-kByte-Lesespeicher (ROM) rund 2000 Programminstruktionen zur Steuerung“ gab. Und ich bin mir sicher, dass der technische Aufbau des Geräts elegant ist, man musste ja haushalten mit den paar Arbeitsprozessen, die der Chip erledigen konnte.

Im nächsten Bild rechts ist das Batteriefach, damit die gespeicherten Dinge nicht verloren gingen. Ich habe es stillgelegt, sonst läuft noch eine Batterie aus und verätzt alles.

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Hinter dem Schriftzug oben verbergen sich ein paar Zusatzfunktionen, das Metall ist eine Klappe, die sich umlegen lässt. Gibt’s bei vielen Revox-Geräten.Revox B780.25

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Schön ist etwas anderes. Trotzdem kann ich dem Revox-Design der B700-Reihe (es gab noch einen Verstärker, einen Tuner, Tapedeck und eine Bandmaschine) ziemlich viel abgewinnen. Die Geräte, und besonders der B780 sehen wirklich anders aus als alle anderen Linien, die ich kenne.

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Der B780 sieht nicht aus wie ein Receiver. Er könnte genauso gut ein Messtechnik-Gerät sein. Eine Maschine, die irgendwelche Wellen misst. Ungewöhnliche Frequenz-Ausschläge prüft.

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Es ist interessant, dass es bis heute ausgerechnet Revox ist, die als einziges großes Unternehmen der einstmals stolzen deutschen Hifi-Industrie übrig geblieben sind. Halbdeutsch, Studer-Revox heißt die Firma ja, Studer ist in der Schweiz, Revox in Deutschland. Dual, Telefunken, Thorens, Grundig, Saba: alle sind weg, und wenn es sie doch noch gibt, dann nur noch als Schatten seiner alten Größe, als reines Label unter dem irgendwelche Bauteile zusammengeklebt und verkauft werden. Revox ist immer noch da (auch wenn mir die neueren Geräte gar nicht zusagen, aber was soll sein, ich bin weder die Zielgruppe, noch habe ich das Geld).

Das Design der B700-Reihe erzählt davon, warum das so ist. Irgendwie scheint man bei Revox Anfang der Siebziger gemerkt zu haben, dass man sich gegen die japanischen Geräte nur wird behaupten können, wenn man sich entschieden auf seine Stärken besinnt. Und das war eben nicht, coolere Geräte zu bauen als Sansui, Sony oder Kenwood. Revox war im Kern eine Firma, die Studiotechnik herstellte, Mischpulte und Bandmaschinen für Aufnahmestudios und Rundfunkhäuser. Um gegen die neue Konkurrenz bestehen zu können, dachte man sich bei Revox (oder vielmehr: ich denke, dass sie sich das dachten, aber es liegt so nahe, dass es bestimmt so war), musste die Professionalität und die Solidität der Studiotechnik in Hifi-Geräte für zu Hause übersetzt werden. Die duften dann ruhig teuer sein, das würden die Leute schon bezahlen, wenn sie dafür das Gefühl bekommen würden, das Beste im Wohnzimmer stehen zu haben. Daher dieses Industriedesign: das war die einzige Möglichkeit, sich gegen die coolen japanischen Geräte durchzusetzen. Uncool und klobig aussehen. Aber damit den Eindruck besonders großer Qualität zu erwecken. Der andere Weg war der von Braun oder Bang & Olufson: die Geräte gleich in Design-Objekte zu verwandeln. Auch toll.

Ich mag Industrie-Design. Viel lieber eigentlich als das Design-Design, das immer überall gefeiert wird. Es gab einmal ein österreichisches Magazin, was um nichts anderes ging: „Werkzeug“ hieß das. Da ging es nur um die Schönheit von der Diamant-Aufsätze von Bohrköpfen, mit denen in Alaska nach Öl gebohrt wird und um neue Akkuschrauber. Leider hat es sich nicht lange gehalten, vielleicht war es zu früh, ist schon über zehn Jahre her. „Werkzeug“ leuchtet mir immer noch mehr ein als so ausgedachter Quatsch wie „Beef“ oder „Business Punk“. Ich bleibe manchmal vor Baustellen stehen, schaue mir die Kräne an, und überlege mir, warum sie genau so aussehen, wie sie aussehen. Ist es reine Funktionalität? oder hat sich da jemand noch einen Gedanken gemacht, der darüber hinausgeht?

Revox B780.27Zwei Probleme hat der Revox B780 allerdings. Da ist zum einen der Lack. Nextel heißt er, und aus welchen Gründen auch immer Revox ihn einmal benutzt hat, nach dreißig Jahren tendiert er dazu, leicht zu kleben. Das Gehäuse fasst sich nicht mehr gut an. Es sammeln sich auch ganz kleine Fusseln. Nicht schön.

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Und zum anderen: die ganzen Buchsen an der Hinterseite sind sehr unbequem angebracht. Ganz schön umständlich, da was einzustecken.

Revox B780.31Besonders schlecht: die Lautsprecherbuchsen. Wie man so einen Aufwand treiben, so ein teueres Gerät bauen, und dann so miese Buchsen einbauen kann, in die die Kabel kaum hineinpassen: das verstehe ich nicht.

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Technische Daten hier.

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